Führungsbullshit 6/7: “Als Führungskraft muss ich der größte Experte im Team sein”

Man hört sie immer wieder: Aussagen von Führungskräften, die aus einer anderen Zeit zu sein scheinen. Und mit denen sie sich bei ihren Mitarbeitern selbst disqualifizieren. Heute:

“Als Führungskraft muss ich der größte Experte im Team sein”

F. Achidiot

Die ersten Karriereschritte hast Du vermutlich aufgrund Deiner fachlichen Kompetenz gemacht. Du warst der/die Beste im Team, bist dadurch aufgefallen und wurdest deshalb befördert. Auch die Akzeptanz Deiner neuen Führungsrolle basierte darauf, dass Du einfach der/die Beste warst. Viele versuchen jetzt, dieses Erfolgsrezept fortzusetzen und beschäftigen sich weiterhin hauptsächlich mit Experten-Themen. Die neue Führungsaufgabe wird nur als Zusatzfunktion verstanden. Ein Denkfehler mit Konsequenzen.

Jetzt brauchst Du neue Kompetenzen

Denn als Führungskraft zählen ganz andere Fähigkeiten, die nur am Rande etwas mit Fachwissen zu tun haben. Diese “Softskills” müssen von vielen Führungskräften erst entwickelt werden. Das ist für viele Neuland – aber der Kern der Führungsaufgabe: Visionen und Strategien entwickeln, koordinieren, entscheiden, Konflikte lösen, Feedback geben, Mitarbeiter entwickeln, Strukturen und Prozesse optimieren, Talente gewinnen usw. Dafür braucht Dich Dein Team in allererster Linie. Und nicht als Professor Dr. F. Achidiot(in).

Das gelingt aufgrund dieses falschen Glaubenssatzes oft nicht. Eine Heuristik bringt es auf den Punkt: “Machst Du Deinen besten Mitarbeiter/beste Mitarbeiterin zur Führungskraft, hast Du eine Top-Fachkraft weniger und eine mittelmäßige Führungskraft mehr”.

Führung ist ein eigener Beruf

Führungskraft ist ein Beruf an sich und im Grunde unabhängig von Fachwissen. Top-Führungskräfte können ohne jegliches Fachwissen erfolgreich führen, da sie sich auf die Softskills konzentrieren. Je größer im Laufe einer Karriere die Führungsspanne wird, desto unmöglicher wird es ja auch, in jedem Bereich der größte Nerd zu sein. Natürlich schadet es nicht, Fachwissen zu haben. Aber ein gesundes Grundverständnis reicht. Ich nenne das “Party-Wissen”, also die Möglichkeit, sich mit einem Getränk in der Hand über das Fachthema auf oberflächlichem Niveau kompetent zu unterhalten.

Wem es schwerfällt, das zu akzeptieren: Bei Apple, Google, Facebook und vielen anderen Einhörner haben die Investoren den oft nerdigen Gründerexperten sehr schnell eine professionelle Führungskraft – z.B. Eric Schmidt bei Google – an die Seite gestellt. Wenn man genau hinschaut erkennt man, dass in Wirklichkeit diese Schatten-CEO´s die Unternehmen führen. Warum? Weil Gründer mit außergewöhnlicher fachlicher Kompetenz nur selten die notwendigen Führungsskills besitzen oder entwickeln können.

Wenn zu viel Fachwissen kontraproduktiv wird

Oft schadet zu großes Fachwissen der Rolle als Führungskraft sogar. Alles immer besser zu wissen führt zu Schwierigkeiten, dem eigenen Team zu vertrauen und hemmt damit die Entwicklung des gesamten Unternehmens. Chefs vom Typ “Besserwisser” bauen unter sich ungewollt regelmäßig ein Führungsvakuum auf.

Führungskraft zu werden und zu sein, bedeutet also einen Paradigmenwechsel zu vollziehen: Fachlich loslassen, mehr vertrauen und konsequent an seinen Softskills arbeiten. Du musst nicht mehr alles selbst wissen. Es reicht zu wissen, wen Du fragen kannst. Als gute Führungskraft hat man nämlich sein Team dahin entwickelt, dass es kompetenter ist, als man es selbst jemals war.

Mit einem hatte Stromberg, der Anti-Chef aus der TV Serie, sogar recht. Er sagte mal: “Zuviel Kompetenz macht doch auch irgendwie unsympathisch”…

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Im Teil 7/7 der Reihe „Führungsbullshit“ geht es um Freundschaften und Beziehungen im Team. Wenn Dir mein Blog gefällt, reposte doch den Beitrag und abonniere den Blog, dann wirst Du automatisch per Mail über neue Beiträge informiert.

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